Get off my back, Verblendungszusammenhang!

Deutscher Opernball 2007 – es gab ja einiges an Debatte davor und ich hab auch keinen Nerv hier jetzt eine Einleitung zu geben. Wer sich ein Bild machen will kann hier nachlesen. Es gab auf jeden Fall wie jedes Jahr eine Demonstration anlässlich der Party der High Society in der alten Oper und im Vorhinein fand ich trotz aller Kritik den Aufruf zum antikapitalistischen Block unterstützenswert. Die Kritik kam einerseits von den MitveranstalterInnen der Demo, ihrerseits VerfasserInnen lupenreinen Polit-Trashs , andererseits daher, dass im Rahmen des …ums Ganze-Bündnis zwar eine verkürzte und personalisierte Kapitalismuskritik als falsch erkannt und kritisiert wird, es aber ein Widerspruch sei trotzdem zu Demonstrationen gegen den Opernball oder eben den G8-Gipfel zu mobilisieren. Da dachte ich mir: Widersprüche? Wow! Da steh ich drauf.
Abgesehen davon, dass es aus der Geschichte der am Bündnis beteiligten Gruppen irgendwie unglaubwürdig gewesen wäre plötzlich auf allzu große Distanz zur Opernball-Demo zu gehen ist genau diese, so dachte ich mir, der richtige Anlass um eine linke Position, die sich vor weitergehender Kritik verschließt und Dinge wie Opernball oder G8-Gipfel als reine Projektionsfläche nutzt, anzugehen und sich deren Raum zu eigen zu machen und klarzustellen dass es eben ums Ganze gehen muss und nicht nur ein paar Bonzenärschen den Arsch aufzureißen. Ich empfand also gerade den vorgeworfenen Widerspruch als das, was den Aufruf adelte und hoffte dieser Widerspruch könne in die Demonstration hineingetragen werden um dem Mob nicht das Gefühl einer heimeligen Einigkeit zu geben. Das ist meinem Empfinden nach aber nicht geschehen.
Jetzt du so: Das wäre ja auch alles nur Spalterei gewesen!
Dann ich so: „Spalterei“ eben nicht, weil ich ja grade gut finde mit auf die Demo zu gehen. Aber wenn die Kritik nur in Form von Debatte im Vorhinein oder auf den Flugblättern stattfindet kann man die Mobilisierung aus kritischer Position auch gleich bleiben lassen. (Abgesehen davon dass einige Leute auf der Demo waren wo Spalterei vielleicht nicht das schlechteste ist.)
An die Leute hätte auf der Demo hätte sich Kritik richten müssen anstatt eine Bewegungs-Unity auf unterschiedlichem Niveau vorzutäuschen. Um kritische Theorie an die Leute heranzutragen muss man sie auch mal spüren lassen dass sie gemeint sind – dass sich eben Emanzipation nicht nur auf die angesprochene Vergesellschaftung der Produktionsmittel beschränkt sondern sich die Revolution auch gegen eine vereinfachte Art des Denkens zu wenden hat. Denn inhaltliche Probleme gibt es ja nicht nur bei 15jährigen, die heute ihr Palituch tragen (was nicht nur modischen Geschmack vermissen lässt) und sich in 5 Jahren vielleicht antideutsch nennen, falls es dann noch so chic sein sollte. Ich denke nicht, dass es angebracht ist, über jeden froh zu sein der „wenigstens irgendwie auf die Straße geht“ – denn gesellschaftliche Veränderung zum Besseren lässt sich nicht mit eben jenen gegen „die da oben“ sondern muss sich gegen das Ganze durchsetzen.
Der Run in Richtung Oper war auf jeden Fall weit davon entfernt irgendeinen Widerspruch spüren zu lassen – obs ums Ganze oder nur um die fetten Ärsche geht, es lief dann doch in die gleiche Richtung. Und unwohl hab ich mich nicht nur wegen dem Tränengas gefühlt.
Wenn die …ums Ganze-Strategie im vergleichsweise kleinen Rahmen des Opernballs auf der Demonstration selbst so wenig neue, spürbare Impulse bringt frage ich mich ob für diesen Ansatz nicht der G8-Gipfel zu groß ist. Dann kann die Kritik eben auch einfach bloß auf Stellungnahmen stattfinden.


3 Antworten auf “Get off my back, Verblendungszusammenhang!”


  1. 1 spam 01. März 2007 um 16:37 Uhr

    tja, ich wundere mich immer wieder warum viele sich antideutsch nennende menschen eigentlich so wenig zwischen inhaltlichen und popkulturellen gründen für ihr verhalten unterscheiden. kritische theorie an die frau/mann zu bringen ist halt letztlich nur die eine seite, die andere ist der poppig inszenierte kampf um die straße, bei dem nun mal nicht mehr bei rumkommt als demonstrantenmasse gegen bullenschweine. ich finds halt schade, dass auf der anderen seite den sonst so in der darstellung von differenz so geübten antideutschen bezügl. G8 nicht mehr einfällt als son weblogbanner auf dem steht „G8 ich bleib zu hause“. das ist ungefähr so als wenn punker hippies ne email schreiben, dass sie nich zu deren party erscheinen werden.

  2. 2 spam 01. März 2007 um 16:45 Uhr

    und wer sagt den das pop nicht auch widersprüche tranportieren kann – nur ein stein fliegt halt nur in eine richtung.

    sorry ich werde gerade meinem namen mehr als gerecht.

  1. 1 Ich bitte um eine Erklärung. | bikepunk 089 Pingback am 02. Mai 2007 um 12:00 Uhr
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