Licht an in Gießen

gießen ist eine stadt zu der ich in der zweiten häfte meines teenagerdaseins durchaus soetwas wie einen bezug aufgebaut habe. gerade deshalb freute es mich, ganz unabhängig vom inhalt, als ich donnerstag die erste ausgabe des “light up” in die hände gedrückt bekam: in der gießener szenelandschaft tut sich noch was. der untertitel lautet “one line of defense” und verteidigt wird hier mit der “scharfen klinge der kritik” ein stück der “insel der aufklärung” gegen kapitalismus, antisemitismus und den allgemeinen wahn der deutschen zustände.
den inhalt bilden größtenteils texte, die zwar eher aus antideutschen allgemeinplätzen bestehen als wirklich etwas neues zu bringen das heft aber für die erste ausgabe klar positionieren. der text zur entführung und dem grauenvollen mord an ilan halimi durch die “gang der barbaren” anfang 2006 liest sich erstmal sehr gut, wobei mich die begriffliche unschärfe stört wenn die besagte “gang der barbaren” und die banlieue-riots als “islamistische rackets” identifiziert werden – sie sind mit sicherheit gegenaufklärerisch, patriarchalisch und antisemitisch, ob sie allerdings als islamistisch zu greifen, und damit in ein allzuklares feindbild zusammen mit hisbollah und ahmadinedjad einzuordnen sind, halte ich für fraglich.
der text der a2k2 macht deutlich, dass sich konsequenter antifaschismus nicht nur gegen “nazis” sondern auch gegen das weltoffen-nationalisitsche deutschland als ganzes richten muss. angenhem ungewöhnlich sticht der text über urlaub hervor, weil es da eben auch um die “ganz normalen” elendserfahrungen im kapitalismus geht.
der artikel über den libanonkrieg rechtfertigt das eingreifen israels, macht deutlich um wen es sich bei der hisbollah handelt und kritisiert die deutsche berichterstattung. von einem zurückblickenden text hätte ich mir vielleicht ein stück mehr gewünscht – zum beispiel die frage was bei der kriegsführung schief lief und wie neue, eben effektivere strategien gegen die hisbollah aussehen könnten. denn der feldzug der idf mag gerechtferigt gewesen sein, hat nasrallah und seinen traum von der judenvernichtung aber leider nicht vom erdboden gefegt.
gespannt war ich ja auf einen kritischen bericht zur opernball-demo, aber den gibts dann vielleicht nächste ausgabe. dankenswerterweise ist das ganze ja kein blog, dann ist es auch okay wenn nicht alles brandaktuell ist. weiter so.


3 Antworten auf “Licht an in Gießen”


  1. 1 young men`s glory, old men`s blues 28. März 2007 um 17:56 Uhr

    recht herzlichen dank für die wohlwollenden worte! ich finde das verhältnis der LIGHT UP zu GIESSEN ist genauso wie das verhältnis von der gruppe LE SHOK zu PUNK: muss nicht wirklich sein aber OHNE wäre alles scheisse und nicht der rede wert…

  2. 2 lichtschalter 12. April 2007 um 19:48 Uhr

    Die Zeitschrift „light up – one line of defense“ gibt es jetzt neben der Printversion auch als pdf-version zum Download oder online lesen, zu finden unter: http://comiteliberte.blogsport.de/2007/04/12/light-up-1-jetzt-auch-digital-2/

  3. 3 razzia 23. April 2007 um 23:17 Uhr

    Wirklich: Super. Selten muss ich vor dem schlepptop lachen; jetzt ist es passiert. Bienchen fürs Bonusheft – 1a Bild mit 1a Überschrift

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