Wir hätten in die Fresse geschlagen

American Hardcore. So einfallslos wie der Titel ist auch der Film, genau wie sie eben alle sind die Filme über diese oder jene „Szene“: Eine Bestandsaufnahme aller die dabeigewesen sind, ein paar schlechte Originalaufnahmen und im schnellen Takt zusammengeschnittene Fotos. Für alle die, die nicht dabei gewesen sind. Denn klar, Hardcore, oder besser die Erfahrung der ersten Hardcore-Welle, das ist mehr als einem nur durch die alten Platten zugänglich wäre. Deshalb wohl auch das starke Bedürfnis von Hardcore-Fans und denen die es werden wollen diese Erfahrung nachzuholen: Die BetreiberInnen des Studierendenkinos mussten zusätzliche Stühle beischleppen und wir in der Schlange stehen. Doch was solls? Der Film vermittelt vor allem eins, eine Erfahrung des authentischen „Anti“ unwiederbringlich verpasst zu haben. Kein Versuch etwas anderes zu machen als durch die unkritische Bestandsaufnahme 198x-198x die Erfahrung zum Allgemeingut zu machen, was nur Nicht-Erfahrung bedeuten kann.
Das mich am (frühen) Hardcore faszinierende ist nach wie vor dessen simple Gewalt, in besonderer Form: in entorteter, zielloser Abreaktion; in der Zerstörung, die immer schon Selbstzerstörung enthält; Brutalität ohne Ziel und Sinn als Konsequenz tagtäglich durchlebten Zwangs und als Ventil gesellschaftlichen Drucks. Es bringt nicht weiter das in irgendeiner Form zu romantisieren oder als wünschbar zu betrachten; es ist die plumbe Abreaktion (vor allem) weißer und männlicher Jugendlicher, die aber eben auch nur das verstümmelte Leben führen. Nur das gilt es eben als Phänomen zu sehen und die Gewalt als prinzipiell immer noch angelegtes zu begreifen, anstatt sämtliches abgefucktes Anti-Potential einer vom ständigen Versagen geprägten und verelendeten Adoleszenz damit einzuschläfern einen authentischen und vergangenen Anknüpfungspunkt für jugendkulturelle Tradition zu bilden, die jedes „Ich will“ in ein „Ich hätte“ verwandelt.