Heimat, keine Metapher

I.
Ich kenne das Haus schon seit ich denken kann, doch richtig fertig ist es erst jetzt. Lange lagen die Mauerziegel blank und das Gebäude wirkte unfertig und gedrungen, unpassend im Straßenzug. Nun ist es fertig, hat einen sauberen gelben Verputz und ordentliche Blumenkübel davor. Erst jetzt fällt mir auf was daran Besonderes ist. Der langezogene, rechteckicke Grundriss des eingeschossigen Hauses und sein stumpfer Giebel: Eine zitronenfaltergelbe Baracke. Aus wohlüberlegter, kleinbürgelicher Sparsamkeit heraus, wurde mit dem endgültigen Verputzen gewartet bis die kleine Gedenktafel hatte entfernt werden dürfen: Hier stand einmal die Synagoge.

II.
Wie eine Synagoge zum religiösen Leben einer jüdischen Gemeinde gehört, gab es im Dorf auch einen jüdischen Friedhof. In unmittelbarer Nachbarschaft zur heutigen Gesamtschule, die auch rege von Kindern umliegender Ortsteile besucht wird. Auch der Friedhof konnte das Jahr 1939 nicht überdauern: Heute verläuft dort die Aschebahn.



III.
Der Rest ist normal. Wie überall.




1 Antwort auf “Heimat, keine Metapher”


  1. 1 mr. q 17. Juli 2007 um 11:52 Uhr

    das mit der aschenbahn ist ganz schön makaber.

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