Zur Entpolitisierung der Party

Nachdem gestern wieder eine Nachttanzdemo in Frankfurt stattfand, möchte ich zwar nichts zu deren Verlauf verlieren, wohl aber deren Ambition in Frage stellen, Party zum Gegenstand von Politik zu machen und sie zu politisieren.

Über Sinn und Unsinn der Vokabel “Freiraum” lässt sich streiten – die Erkenntnis, dass ein Freiraum aber stets nur als relativ frei zu verstehen ist und keinen Ausweg aus der Gesamtscheiße darstellt, sei bei der weiteren Verwendung mal vorausgesetzt. Genauso dämlich wie diese Illusion wäre aber der Schluss aus der These von der Unmöglichkeit des richtigen Lebens im falschen Ganzen, sich nun dem Lifestyle sturer Affirmation hinzugeben und sich von der “Stimmung!” eines bassigen Uffta-Beats einfangen zu lassen.
Die Schaffung relativer Freiräume ist erstmal eine Notwendigkeit um die Wartezeit einigermaßen angenehm überbücken zu können und um die Formulierung von Kritik zu begünstigen. Solche Räume als “frei” zu bezeichnen, kann aber offensichtlich nicht daher rühren, dass in ihnen Freiheit verwirklicht wäre, sondern nur vom unabgeschlossenen Versuch, mehr oder weniger offen ausgetragene Gewalt abzuwehren. Das bedeutet aber, dass in ihnen die Widersprüche eben nicht aufgelöst sind, nur deren Folgen abgewehrt werden sollen.

Was verbirgt sich in der Forderung nach einer Verbindung von Poltitik und der Party, die in so einem Freiraum stattfinden mag? Voraussetzung dafür, dass sie angenehm verläuft und in einem Freiraum stattfindet ist ja, dass dessen Basisbanalitäten durch die Party beibehalten und nicht aufgelöst werden. Sie muss zu der Praxis gehören, die den Freiraum überhaupt als solchen mit hervorbringt. Dabei ist sie aus dem gesellschaftlichen Ganzen genausowenig zu lösen wie der Freiraum auch – Widersprüche inklusive.
Was passiert aber nun, wenn von der Party gefordert wird, sich zu “politisieren” – das hängt vielleicht vom Politikbegriff ab. Soll als politische Handlung gelten, was die Regeln des Anstands – des Freiraums – einhält, dann ist die Konsequenz doch eine Politik, die die Folgen zu Ungunsten ihrer Ursachen in den Blick nimmt. Eine radikale Politik wäre das nicht. Soll aber unter einer politischen Handlung eine verstanden werden, die die Gesellschaft ändern soll, so muss sie sich nach den Ursachen richten. Wie wäre das durch die Party-Praxis umzusetzen?

Wenn mit Party bezeichnet werden soll, was als Party gelten kann, dann muss sie notwendig unpolitisch sein, ohne ihre gesellschaftliche Verstrickung abzutun. Es ist alte linke Tradition alles in den Dienst der Politik stellen zu wollen: als Beispiel die Kunstfeindlichkeit, die jedem Ereignis im Kunst-Raum, das sich nicht zu agitativen Zwecken hin uminterpretieren lässt den schmähenden Vorwurf der Schöngeistigkeit macht. Allem wird die Pflicht abgefordert, den Dienst an der Allgemeinheit zu tun. Vielleicht ist aber unter Party einer der Momente zu verstehen, in denen versucht wird, diese Pflicht so klein wie möglich zu halten. Zwar entkommt sie ihr nicht, dafür passt sie als Teil der Freizeit zu gut zur Reproduktion der Arbeitskraft; sie wird aber zu wertvoll um sie der Politik zu opfern.


2 Antworten auf “Zur Entpolitisierung der Party”


  1. 1 nisch 13. Oktober 2007 um 17:14 Uhr

    politik ist hässlich,
    party ist schön.

  2. 2 noway 11. Januar 2008 um 20:48 Uhr

    für die entpolitisierung des internets – schreib was, mir ist langweilig!

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.