Archiv der Kategorie 'Konzerte'

Don‘t do that to “Fuck You”

Musik die ihre Berechtigung aus der Wunderwaffe “Fuck You” bezieht ist weit weniger darunter zu subsummieren als angenommen werden könnte. Es ist ein schmaler Grat auf dem es sich nicht lohnt zu balancieren; wo sich die Frage nicht lohnt wer gemeint ist, ob “die da draußen”, “ihr da vorne” und wo der Gipfel der Langeweile erreicht ist wenn die Autorenschaft über das “Fuck you” geklärt wird. Die Klinge verliert ihren Schliff, wenn sie gebraucht wird.
Aber ich schreibe hier ja nicht über politische Hardcorebands sondern über die Noiserockband Chung, die am Freitag im ExZess gspielt hat. Deshalb heißt das: die richtige Haltung verträgt sich nicht mit breitbeinigen Posen und tiefhängenden Gitarren. In dem Moment in dem Noiserock in Hardrock umschlägt, kann mein Fuß vielleicht mitwippen aber es reicht nicht dafür, dass die Rezension, die ich mir zu schreiben herausnehme, positiv ausfällt.

[Anti]Deutsch[Elektro]Punk im 21. Jahrhundert

Mitgröhlkompatible Texte, direkte Aussagen, pogofreundlicher 4/4-Takt , Oi!Oi!Oi!-Rufe und politische Parolen. Das Konzert am Samstag im Darmstädter Schlosskeller bestätigte eindringlich meine zuvor gefasste These, dass Egotronic die Weiterführung von Deutschpunk mit anderen Mitteln bedeutet. Es gab sogar Iros im Publikum und eine Meute Punker die sich vor dem Laden auf kalten Steinstufen tummelte. Das mag aber auch an Darmstadt liegen.
Egotronic, lange Zeit Träger eines eindeutig antideutschen Brands – ich erinnere mich noch an Pöbeleien wie „Oh mann, wie kann man sowas tragen! Egotronic, das ist doch die Bahamas-Hausband“ bzgl. meines Shirts von der ersten Tour (…’cause i was a egotronic-fan before you was a punk…) – waren meiner Meinung nach ja sowieso die Avantgarde antideutscher Popkultur, die dafür gesorgt hat, dass „antideutsche Positionen“ heute auch jenseits von Theoriezirkeln vertreten werden und es Blogs gibt auf denen zehn Israel-Fahnen prangen und die Einträge sich auf dem Niveau von Teenager-Alltags-Poesie bewegen. Is ja vielleicht gar nicht schlecht. Die Egotronic-Konzerte sind heute auf jeden Fall wesentlich voller und es herrscht eine ausgelassene Abfeierstimmung, die schwer nach positivem Gruppengefühl riecht.
Tausche die Rockbesetzung gegen ein Midi-Keyboard, einen Drumcomputer und einen Minidiscplayer, tausche „USA SA/SS“ gegen „Raven gegen Deutschland“, tausche Dosenbier gegen Koks, tausche den FuZo-Lifestyle gegen hedonistische Clubkultur und den Namen Betonkotze solltet ihr auch ändern. Ach ja, und statt Sprüchen gegen Hippies bring Sprüche gegen Deutschpunk, dann bist du mit deiner Band nahe an Egotronic dran.
Zugegeben, solange niemand zu Zwölf-Ton-Musik tanzen kann sind Egotronic aber immer noch richtisch goil. Also Gude Laune und Feierei und so, Alder.
Danach waren wir noch auf einer Veranstaltung die treffend mit dem folgenden Dialog beschrieben wird:
„Ich find es riecht hier nach Pferdestall.“
„Nein, es riecht nach Altkleidung!“



Eunematografisches No-Go: Idendity und Instrumentalmusik

Instrumental-Bands umweht stets ein lauer Ruf des Experimentellen – denn was den eingebranntesten Hörgewohnheiten im geringsten widerspricht wird aus irgendeinem grund als „neu“ oder „ungewöhnlich“ erkannt. Tatsächlich hält der komplette oder weitgehende Verzicht auf Gesang die Zuhörenden auch erstmal davon ab sich innerhalb der Musik zu identifizieren, der menschlichen Stimme als Protagonist oder Handlungsträger in der Musik zu folgen und dessen Handlungen „zu verstehen“. Anstatt aber mit dem Verzicht auf Gesang auch auf soetwas wie eine narrative Struktur eines songs zu verzichten und ein Potential der Musik als Klangkunst zu entwickeln verfallen die meisten Instrumental-Bands in so etwas wie mood-music; anstatt mit Hörgewohnheiten zu experimentieren bestätigen und nutzen sie hemmungslos die emotionale Reaktion des Publikums auf Musik.
So auch im Fall von Ostinato und Maserati die am karfreitag im ExZess genau den richtigen Soundtrack zum Tanzverbot lieferten. Die einzige Körperbewegung die zu den pathetischen Ausfällen und sphärischen (so wird das wohl genannt) Klängen von Ostinato passte war mit dem in den übelsten Fällen mit Dreadlock-Nestern bewuchterten Kopf meditativ zu wackeln. Grauenvoll die Geige: ein Instrument an dessen Beispiel wohl am besten deutlich wird, dass die Worte „ungewöhnlich“ und „experimentell“ nicht notwendigerweise dasselbe meinen sondern sich eben auch völlig widersprechen können. Ich kann mir richtig vorstellen wie Ostinato über die dramatische Struktur ihrer Musik grübeln und um ihren Publikum ja keine Überraschungen zuzumuten mühselig Spannung aufbauen und abklingen lassen. Um den pseudo-experimentellen Touch ihrer Musik zu unterstreichen sollten sie darüber nachdenken ihre Konzerte live in einer session in Gemälde umsetzen zu lassen – dabei käme wahrscheinlich Landschaftsmalerei im Stil von Bob Ross heraus, bloß mit unheilsschwangeren Gewitterwolken drüber. Und sonem psychedelischen Photoshopeffekt. Eingeschickte Vorschläge werden hier veröffentlicht.
Maserati waren dann zwar in dem Maß besser, in dem ihre Musik weniger mit Pathos aufgeladen war. Aber ich hatte genug.
Fortschrittliches Potential: negativ!

Es geht halt um den Spirit: Cut City im Clubkeller

Wie meine Begleitung es sagte: der Clubkeller ist halt so ein Sachsenhausending, son Ausgehschuppen. Warum auch nicht? Die Leute sehen gut aus, die Musik ist cool und der Live-Sound ist immer erstklassig. Aber spannend ist es nie. Das Problem: The lack of Spirit. Der Clubkeller verhält sich zum guten Leben wie Marlboro-Werbung zu Django-Western. Hier passt alles perfekt mit genau der Souveränität, die sich aus der Überaffirmation von Indie-Lifestyle speist. Naja. „Spirit“ ist jetzt auch so ein Pop-Mythos auf den niemand ernsthaft pochen kann – hier ist Pop aber auf jeden Fall die schöne Verpackung des Kapitalismus. Ich hänge ja immer noch der kulturlinken Idiotie an, das Pop ein Subversionmodell sein kann.
Übrigens Cut City, wegen denen war ich ja da. Die waren keineswegs schlecht, der Sound war super und die Stücke saßen perfekt. Die Musik klang zwar schon nach Interpol hatte aber durchaus auch eigenständigen Charme. Cut City sind so eine Band deren Marktwert mit davon abhängt ob ihnen eines gelingt: einen richtigen Hit zu schreiben. Sie haben so eine Art von durchgängigem Stil so dass ein Über-Lied ihnen die Tür aufstoßen würde um von einer okayen zu einer brillianten Band zu werden.

Subversion durch Uncoolness: Woog Riots.

Beim Huah!-Konzert in Darmstadt wurden irgendwann zwei schelchtangezogene Leute aus dem Publikum auf die Bühne geholt und durften ein Lied mitsingen. Eine dicke Frau mit Dauerwelle und ein kleiner altgewordener Indieboy drückten sich geniert vorm Mikro rum und sahen bescheuert aus. Ich dachte mir: Wer zur Hölle ist das? und hätte die beiden vergessen, hätte sich das Spiel nicht einige Wochen später bei Knarf Rellöm Trinity wiederholt. Das konnten nicht einfach nur irgendwelche Leute aus dem Publikum sein. Waren sie auch nicht, sondern die Woog Riots.
Grund genug nach Wiesbaden in den Kulturpalast zu fahren um eines der seltenen Konzerte zu besuchen. Meine Erwartungen auf eine uncoole Performance mit subversiven Charme wurden nicht enttäuscht. Ansagen zu machen wie „Dies ist ein Kirchenprotestsong“, ein Lied tatsächlich „Commercial Suicide“ zu nennen und gleich mehrere Songs im Set Pärchen in der Indieszene zu widmen kann einen doch nur vor den Kopf stoßen. Oder der Traum Backstage mit der eigenen Mutter Limonade zu trinken. Woog Riots kommen aus einer Indiesubwelt in der Hipness nichts zählt und haben kein Problem damit ständig auf eine Musikgeschichte zu verweisen, mit der das Kiddie-Punk-Publikum nichts anzufangen weiß: Dafür ist sie viel zu gut. Die Zugabe wurde dann auch angekündigt mit „Das ist nicht Punk, das ist Hippy.“ Großartiger psychedelischer 60s-Folk-Casio aber statt Hippy-Esoterik eben mit Indie-Nihilismus. Die Melodien erwärmen das Herz und verschwinden in desillusionierter Monotonie – Lo-Fi eben.
Wiesbaden ist übrigens die Stadt mit der höchsten mir bekannten Punk-Kinder-Quote, die aber leider nicht mit Tätowierungen wie „schwul statt deutsch“ sondern mit T-Shirts wie „hetero statt emo“ rumlaufen, und disqualifiziert sich damit in die unterste Schublade.



3 x hafen 2

Irgendwie bin ich im Hafen 2 in Offenbach immer nur mit halben Herzen dabei. Is ja total schick da, fast schon ein wenig zu posh und wegen den ganzen gutaussehenden Menschen könnte ich mich fast ein wenig minderwertig fühlen – bis sie dann den Mund aufmachen. Für den Kommunismus sind sie da auf jeden Fall nicht. Nett ist es aber trotzdem und ich hatte irgendwie von vornherein das Gefühl wenn ich nicht freitags zur dreijahresfeier gehe verpasse ich was. Hätte ich aber garnicht. Irgendeine Band mit Doppelnamen machte den Opener und ich bin lieber wieder raus um mich zu unterhalten. Danach gab es ne Modenschau, was mich gefreut hat, was dann aber eben auch nicht anders oder irgendwie lustiger oder interessanter gewesen wäre als Fashion TV also boring.
Dann kamen Jeans Team, wie DAF in Farbe, also ganz cool. Das richtige Maß an Nerdigkeit und Hedonimus aber irgendwie auch ein bißchen zu sehr auf 80erjahre-Temperatur runtergekühlt. Passenderweise gab es das Vengaboys-Cover und erinnerte mich daran dass am samstag noch ein längeres Programm bevorstand: happiness is just around the corner.
Thunderbirds Are Now! waren dann irgendwie enttäuschend weil wenig präzise und dadurch auf eine Art rockig die ihnen nicht so gut zu Gesicht stand. Es klang irgendwie so nach Melodycore.
Die Party war okay und der Abend ist in jedem Fall mit der Fahrradfahrt nach Offenbach, also Sport, als sinnvoll verbracht gerechtfertigt.

Move your ass and your mind will follow – Part II

Da hat es mich doch mal in den Mousonturm veschlagen, dem Ort für vom Feuilleton legitimierte Popkultur in Frankfurt. Und darauf ham sich Knarf Rellöm Trinity irgendwie auch ausgeruht am 6.1.07.
Ohne hier jetzt mit ollen Kammellen zu kommen, konnten Knarf & Co mich nur enttäuschen, bei den Erwartungen die HUAH! bei mir geweckt hatten (die sind schließlich auch für mich recht neu; s.u.). Das klingt jetzt zwar ein wenig pathetisch, aber ist für mich das Tolle an denen gewesen, dass sie „Wahrheitsmomente haben aufblitzen lassen und sich gleichzeitig von jeder Form von Erkenntnis fernhielten“, war Knarf Rellöm Trinity nur noch die Flucht ins Banale.
Nein, bekloppte Perücken und noch bescheuerte Brillen sind nicht per se lustig! Diese hey-könnt-ihr-nicht-prima-dazu-tanzen-Beats springen nicht zu mir über. Und dieses ständige Namedropping von Rudi Völler bis Slim Shady – sollte das etwa, öhö, post-post-moderne Verarsche postmoderner Zitierweise sein? Oder der Versuch zu zeigen, dass obwohl sie aussehen wie meine Eltern, sich noch alle prima in der up-to-daten Landschaft der Medienikonen auskennen. Wenn diese belanglosen Marsianer-Geschichten wenigstens nicht hätten witzig sein sollen … Wenn so die hochkulturell vereinnahmte Speerspitze fortschrittlicher Popkultur aussieht, dann verabschiede ich mich lieber wieder in irgendwelche Kellerlöcher. Da darf ich wenigstens rauchen.
Und die vesöhnlichen Worte zum Schluss: Meinetwegen war das auch nur ein mieses Konzert; auf Platte ist das ja eigentlich ganz cool.
In Abgrenzung zum selbstgerechten Bornheim könnt ihr mich jetzt übrigens den Happyhappy NoFrankfurtSound nennen oder mir lobend für den Gallus-Schriftzug über die Schultern meiner Nietenjacke auf die selbige klopfen.

….etwas nicht „fucked“ ist, ist es „dope“…

Besteht Aufregung in meinem Leben momentan vor allem in Form von Bluthochdruck, so bekam diesem Umstand geschuldet das Konzert von Fuckuismyname und Droll Academy am 4.1. im ExZess echten Ereignischarakter. Mein persönlicher Höhepunkt des Jahres 2007.
Droll Academy waren tatsächlich mal ungewohnt: nur Schlagzeug und Klavier, dazu zwei Gesänge. Wen erinnert das an was? Genau. So klang das dann auch obwohl Pop wahrscheinlich für Droll Academy mehr Einfluss besitzt als die Weimarer Bühne. Durch das Stackatto-Klavier in derselben Art rhytmisch wie Dresden Dolls und mir einen Tick zu leidenschaftlich; obwohl es natürlich auch was hat wenn eine „andere“ Band mal mit Selbstbewußtsein auf der Bühne steht. Trotzdem, auch wenn die Pianistin sympathischzickig war, wer eine Message suchte bekam die: Wir hatten Musikunterricht.
Fuckuismyname haben dann bewiesen, dass auch Leute die sonst in der Liga Fussballtrainer, Sozialpädagogen oder gescheiterte Designstudenten spielen, auf der Bühne zu begeistern wissen. Mehr kann ich dazu eigentlich garnicht sagen. Meine pseudo-musikwissenschaftlichen Gedanken seien hier nur angedeutet: wenn das „Noise“ ist, dann deshalb, weil es den Tönen die Bedeutung abspricht. Melodie hat keine Souveränität über die Songs; stattdessen gibt es unzusammenhängende Melodiefetzen, die sich in einer Cut&Paste-Songstruktur gegenseitig entwerten und zu einer akustischen Spastik verbinden zu der dein Fuß wippt, bervor er merkt, dass er es falsch macht. Hört sich das gut an oder was?
Ich hätte Fuckuismyname mir übrigens besser mal vor nem Jahr angeguckt: dann hätte ich ein Role-Model gehabt, mich mit meiner Wampe glücklich fühlen können und mich nicht der militanten Diätbewegung „pro-ana“ anschließen müssen.

turbostaat in der öttinger villa

kaum geht die tür zur oettinger villa auf, schwallen mir auch eindeutige zeilen des alten troopers-smashers „gassenhauer“ entgegegen. die obligatorischen punker (im negativsten sinne des wortes), die bei allen turbostaat-konzerten vor der tür rumlungern und denen nach 5 stündiger anfahrt mit dem öpnv der eintritt zu teuer ist. oh ja, das holt mich zurück in die vergangenheit, ich erinnere mich an zeiten von dosenbier, wochenendtickets und der großen revolte. auf dem weg zum einlass die merch-stände mit den neuesten und ältesten platten, heften und der mahnenden antifa-lektüre – punkrockeinkaufsparadies.
der laden ist, wie immer wenn ich hinkomme voll und heiß und stickig und das obwohl der raum ja ziemlich groß ist. wie schaffen die das immer? während draußen vor allem punker stehen ist drinnen der dresscode eher trainingsjacke überm kapuzenpulli, aufnäher und baseballcap. dieser mix aus h&m, antifa-chic, punker-accessoires und indie-style wie halt die leute so aussehen in der etwas fortschrittlicheren punkhcszene.
dass wir neinneinnein zu 90% verpasst haben scheint nicht allzu schlimm zu sein. hatten mich aber mal interessiert, nachdem ich sie nur als phantom von flyern und aufnähern kannte. irgendwie aber sone band die so in den sumpf der turbostaat-supports passt, if you know what i mean. nix falsches, nix neues.
turbostaat liefern danach ihre gewohnte und gewohnt gute show ab. die zwei neuen leider, die ich raushöre scheinen mal wieder ein schritt weiter voran zu sein, ein stück komplexer, abwechslungreicher und mit ausgefeilteren gitarrenmelodien. trotzdem halt turbostaat und das neuste sind die kontaklinsen von dem lattekohlertor-typen und dass ich finde dass der gesang noch mal ne spur abgenutzter klingt. falls turbostaat auf ihre alten tage mal ne langsame platte machen sollten klingt das wahrscheinlich wie herbert grönemeyer. am anfang nur spärlich und gegen ende hin immer mehr werden die fäuste in die luft geworfen und die fans, oh ja fans, schreien sich die texte ins ohr. turbostaat kennen das und bauen kleine fallstricke in form von pausen ein wo dann auf einmal das publikum alleine singt. das kennen aber wiederum die fans.
keine überraschungen also, aber turbostaat sind trotzdem keine band bei der ich mich schäme dass ich fast alle lieder mitsingen kann. auch wenn ich das gestern nicht gemacht hab.

Gastbeitrag: International bekannte Rockband dellwo in Frankfurt am Main

Nachdem ich schon mehrere Tage des Krankseins, wie auch sonst, im Bett an mir vorüberziehen sehen durfte, hatte ich mich auch eigentlich darauf eingestellt, dass sich das auch am happy weekend so fortsetzt. Aber wie das so ist, es ändert sich alles, vorübergehende Gesundungs-Prozesse setzen ein. Dabei geholfen haben, so viel sei verraten, ein Telefonanruf am Samstag früh, dem folgte dass neue Stadion der ollen Eintracht, dellwo und Daniel Craig. Der wurde auf dieser Seite ja richtigerweise schon gelobt. Großartig, nicht zu dick aufgetragen, wie z.B. bei Unternehmensberater Brosnan und die erste Verfolgungsjagd konnte direkt Schweiß auf die Hände treiben.
Aber Schritt für Schritt: Nachdem ich zunächst ein schlechtes Gewissen, denn besser ist: krank und schonen und so, im Angesicht von dem neuen Stadion und Bremen als Gast, überwinden konnte, war ich auch schon flugs eingetroffen, am Hauptbahnhof in Frankfurt. Es war also Samstag der 9.12. Dort wartete mein Onkel mit Eintrittskarte und einem Haufen Exil-Hessen, die wohl vor etwa 25 Jahren, aufgrund von irgendwelchen Beamtendingsbums nach Bremen gingen. Dementsprechend war, rot-schwarz gegen grün-weiß getauscht, schon klar: hier gibt es Erwartungen. Diese waren neben dem Auswärtssieg, der ab der zweiten Spielminute regelmäßig gefeiert wurde, ein halber Meter Wurst und Riesenbrezeln. Das scheint es im Weserstadion zu Bremen nicht zu geben. Und wenn man die begeisterten Gesichter sieht, fragt man sich: Warum eigentlich nicht? Das neue Stadion ist super (Abgesehen von dem ganzen kommerz-drum-herum-scheiß), die Eintracht war auch gar nicht so schlecht, wie zumindest das Ergebnis vermuten lässt. Im Anschluß an das Spiel, ging es gutbürgerlich in Oberursel Essen und dann ins Exzess. Denn da steht das „fünfzehnjährige“(Untergrund) Bandjubiläum von „dellwo“ auf dem Programm.
dellwo kommen wohl irgendwie aus der Wetterau, viel mühe hatten sich die Veranstalter gegeben, noch dabei waren „Mad Minority“ und „The Hunger“. Hübsch anzusehen war die Ausstellung mit Bildern aus der Vergangenheit. Wobei besonders die ins Auge stachen, die die drei im zarten Bubenalter zeigten; Der etwas pausbäckige Sänger, ein verträumter Bassist und der Schlagzeuger, damals wohl so um die fünfzehn, mit den ersten Bartstoppeln. Damals stand den drei Talenten wohl noch die Welt offen. Aber warum in der Vergangenheit schwelgen (das wurde von einigen dann doch irgendwie betrieben), wo doch auch ganz junge Bands auftreten. So zum Beispiel die Nachwuchshoffnung aus Hungen und der Wetterau. Die wohl „the hunger“ heißen wollen. Am Gesang war Stimmungskanone Guggart, Altstar Reiser an der Gitarre, Schlagzeuger war ein junger Mann mit Kotletten und am Bass Bumbes. Letzterer will wohl die Nachfolge der „Wetterauer Punk-Legende Peter Pogo“ (Wetterauer Zeitung) antreten. Ja diese Band hat gespielt, getreu dem alten Punk-Spirit – wir können nix und machen trotzdem was. Das allerdings wird, bei aller Liebe, irgendwann langweilig, die Wetterauer Auslegung dieser Anordnung ist in letzter Zeit nicht sonderlich innovativ, stets gleich und Humor ist wohl mit dem Untergang der letzten Wetterauer Punklegende -Blutarsch- in die „Dose gegangen“(FR); aber es muss ja immer alles so wie es war…
Danach endlich dellwo, die vor fünf Jahren im Juz Bad Nauheim ihr fünf Jähriges feierten und nun schon das fünfzehnjährige, wie der Untergrund versprach. Das ist mal keine schlechte Leistung. Und die Show war noch viel mehr als das. Ich kann zwar nicht genau sagen warum das coole Scheiße ist, aber es ist nun mal so. Tiptop Typen, alles mit einem leicht chaotischen Schlag: Stadionrock im Amateurformat. Und vor der Bühne gab es eine leicht gruselige Widerauferstehung des sagenumwobenen „Wetterau Punkrock“. Ordentlich Pogo, ständig sind Leute, die wohl auch schon vor Acht Jahren umgefallen sind, einfach nach hinten umgefallen und immer wieder rein. Das war ja zu verkraften und hatte durchaus was für sich. Aber so einige Gästen haben die Lieder mit solch einer Imbrunst mitgesungen, das die Vermutung nahe liegt, das da eventuell „Stadionrock“ mit „Stadenrock“ vertauscht wurde. Es hatte den Anschein als sei dellwo die Band überhaupt und würde das Lebensgefühl im Wetterauer Dorf herausschreien und alles Ausdrücken worunter gelitten wird. Merkwürdig anzusehen.
Als letztes gab es dann noch Mad Minority. War wieder super, mit nicht ganz so hohen Alkohol Pegel wie sonst, aber Mad Minority haben so eine spontane Art, dass es immer wieder geilo ist zu zuschauen. Und vor allem ein gutes Händchen für noch bessere Cover.
Dann sollte der Abend auch zu Ende gehen, der Gesundheitszustand machte mir doch auch zu schaffen und die Sorge, die kommende Woche wie die vergangene zu verbringen wuchs. Und das zu Recht, leider. Und der Weg nach Hause dauerte, schließlich will ein ganzer Haufen Wetterauer, unmotorisiert, besoffen und orientierungsunfähig („Oh, Mann ich kenne nur die Abfahrt: Leck mich am Arsch und net Friedberg…“) nach Hause. Das will organisiert werden und da bot sich das national bekannte Logistikunternehmen Dellwo prima für an.
Am nächsten Abend gab es denn neuen James Bond… auch der war super.

Meta

Du browst gerade in den Nerd Weblog-Archiven nach der Kategorie 'Konzerte'.

Längere Beiträge werden abgeschnitten. Klick auf die Überschrift, um den jeweiligen Beitrag in voller Länge zu sehen.

Kategorien